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Vereins-Chronik 1994

"O'Zapft is"  

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aufgezeichnet von Manfred Link
 

 

Für den Vorstand der Schwarzen Elf war es Ehrensache, den bei der Wahl von den Mitgliedern erteilten Auftrag, der Jugend mehr Attraktionen zu bieten, in die Tat umzusetzen. Einzelne Mitglieder, besonders Jürgen Watzke, der schon Garant für den Erfolg einer Skifreizeit Anfang Januar war, sorgten für den nötigen Schwung. Jetzt fuhren 16 junge Leute zwischen 12 und 14 Jahren ins Altmühltal bei Ingolstadt, um sich näher kennen zu lernen. Auf dem Programm der sportlichen Aktivitäten standen Fahrradfahren, Klettern und Paddeln.

Fahrräder und Campingausrüstungen wurden auf Anhänger verladen und los ging's zum Zeltplatz Breitenfurt, einem kleinen Ort östlich von Eichstätt an der Altmühl gelegen.
Nach der Ankunft musste natürlich erst einmal das Lager, sprich die Zelte und sonstiges Zubehör, fachgerecht aufgebaut und hergerichtet werden. Das war für einige, die noch nie zuvor zelten waren, eine echte Herausforderung. Anschließend konnte man sich dann in der Sonne braten lassen.
Am zweiten Tag ging es zum Klettern, wo unter fachkundiger Anleitung von Horst Duhme, Jürgen Watzke und Karl Gress erste Erfahrungen in der Felswand gesammelt werden konnten. Am Sonntag war die große Paddeltour auf der Altmühl geplant, die trotz des inzwischen schlechteren Wetters ein tolles Erlebnis war. Insgesamt war diese Freizeit aber ein großartiges Erlebnis und in einigen Köpfen schwebten schon Gedanken für das nächste Jahr.

Als vor zehn Jahren (1983) die Idee der "Isen-burger Sängerknaben" geboren wurde, ahnte keiner der Gründer, dass die Gruppe zu einem ‚Highlight' der Isenburger Fastnacht werden würde. Gemeinsam mit Freunden und dem "Ehrensängerknaben" Berthold Depper feierten sie ihr Jubiläum in St. Franziskus und ließen die musikalische Entwicklung noch einmal Revue passieren.
Hintergründiger, teils auch deftiger Humor, dazwischen feine Florettstiche oder schwere Säbelhiebe, das ist die Art, aus der die Lieder der Isenburger Sängerknaben gemacht sind.
Der inzwischen verstorbene Dieter Mark war der ‚Macher' im Hintergrund, der zusammen mit Norbert Engl die Texte schrieb und die dafür sorgten, dass die Sängerknaben nie eine Gesangsgruppe der üblichen Art waren. Der größte Hit dürfte wohl der ‚Lumpenmontag' sein aber auch der ‚Hund' (‚Abends wenn es dunkel wird...') und der ‚Papa' (‚... ist schon wieder breit') haben ihren Stammplatz in der Hitliste der Gruppe. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Isenburger Sängerknaben ein großes Stück Fastnachtsgeschichte in Neu-Isenburg geschrieben haben und noch schreiben.

Isseborjer Lupenmontag

Wens drauße kalt is' unn fürschterlich schneit,
dann feiern mir Ochse die Fassenachtszeit,
sin engagiert - brülle wie doll es Helau,
stehn uff der Gass rum unn friern dann wie d'Sau

Refrain: Des is de Lumpemontag, so wie er Spaß macht
Des is de Lumpemontag an de Isebojer Fassnacht

Anstatt so wies jetzt viel logischer wär,
zum Skifahrn zu fahrn oder nach Süden ans Meer,
da schmeiße mir Knolle - schee babbisch un süß,
stehn uff de Gass unn verfriern uns die Füß

Refrain: ....

Unn kimmt am Umzug, die Sonn mal eraus,
dann hältstes widder in der Vermummung net aus,
du schwitzt unn schnaufst unn bist batschnass,
schmeißt glücklich dei Knolle uff die Leuf, uff die Gass

Refrain: ....

Dann trinkste zum warmwern en haaße Äppelwoi,
vielleicht noch en Korze, verkehrt kann's net soi,
unn im letzte Schwanke - wirfste en Knolle in die Meut',
dann fällste um unn bist fertisch fer heut

Text: Isenburger Sängerknaben

 

Ein letztes Mal den Luftdruck überprüft und den Sattel oder Lenker richtig eingestellt, dann ging es los: 40 Teilnehmer starteten trotz unangenehm niedriger Temperaturen zur Fahrradrallye der Schwarzen Elf in Neu-Isenburg. Vom Alfred-Delp-Haus führte der Weg an drei Streckenposten vorbei auf markierten Wegen zur Thomashütte bei Eppertshausen. Unterwegs waren einige knifflige Aufgaben zu lösen, das Tempo spielte nur bei einem kurzen Zeitfahren auf einem ‚Bobbycar' eine Rolle. Ein rohes Ei mussten die Radler heil vom Start zum Ziel transportieren. Dort wartete dann eine Stärkung auf die Teilnehmer, ehe sich alle, mehr oder weniger geschafft, auf den weiten Heimweg machten. Eine gelungene Veranstaltung, die der Vorstand glänzend organisiert hatte.

Was gab es noch in diesem Sommer? Beim Sommerfest des Kleingartenvereins ‚Eichenbühl' begeisterte die Tanzgarde mit ihrem Schautanz. Wolfgang Dreßen, Vorsitzender des Kleingartenvereins und auch Präsident der Schwarzen Elf, moderierte diesen gelungenen Abend. Einen weiteren Auftritt hatten die Mädchen beim Rollsportverein im Sportpark.

Die Isenburger Partnerstadt Weida, schon mehrfach erwähnt, feiert alljährlich ihr traditionelles Osterburgfest. Die Osterburg, Wahrzeichen der Stadt, ist eine gut erhaltene mittelalterliche Burganlage, die sich geradezu anbietet für Ritterspiele und mittelalterliches Dorf- und Handwerkerleben. In diesem Jahr waren wir von unseren Freunden eingeladen worden und eine Abordnung konnte zwei herrliche Tage in der thüringischen Kleinstadt verleben.

Ein anderes Fest stellt alljährlich den Verein auf eine echte Leistungsprobe, das Isenburger Altstadtfest. Nach mehreren teilweise enttäuschenden Versuchen in der Hirtengasse, ergriffen wir in diesem Jahr die Chance, den Platz des Angelsportvereins in der Kronengasse zu übernehmen. Die Angler waren durch ihren großen Erfolg am Vatertag an der Bansamühle an eigene personelle Grenzen gestoßen und wollten in Zukunft auf das Altstadtfest verzichten. Der Standplatz war für die Schwarze Elf ein echtes Schnäppchen, liegt er doch am Einfallspunkt für viele Besucher und bietet darüber hinaus viel Raum um einen kleinen Biergarten einzurichten. Von diesem Zeitpunkt an ist das Altstadtfest für die Schwarze Elf eine organisatorische Herausforderung aber auch eine finanzielle Hilfe, ohne die viele andere Aktivitäten nicht möglich wäre. Natürlich leisteten auch die Gruppen wieder ihren Beitrag auf der Tanzbühne am Marktplatz: neben den Minis durften auch die Maxis und die Garde ihr Können präsentieren.

Am Elften Elften des Jahres 1993 (eigentlich jeden Jahres) ist die Welt der Narren wieder in Ordnung. Endlich kann man wieder ungestraft das närrische ‚Helau' in den Mund nehmen. Die Kluft (sprich Komiteejacken oder andere Kostüme) ist vielleicht noch etwas geknautscht oder muffig vom Keller, aber das stört nur anfänglich. Für den Außenstehenden kaum verständlich, machen sich die Aktiven ans Werk, Gott Jokus zu huldigen und ihr Prinzenpaar zu küren. In diesem Jahr waren das:

Prächtig gekleidet präsentierten sie sich ‚ihrem Volke' und wurden sofort herzlichst im närrischen Kreis aufgenommen.
Den ‚Stern von Isenburg', die höchste Auszeichnung im Isenburger Karneval wurde an diesem Tag dem langjährigen ersten Vorsitzenden und Ehrenmitglied der Schwarzen Elf Richard Gerecht verliehen, der jetzt seine karnevalistische Kraft im Ehrensenat dem Lumpenmontag widmet.
Auch bei der Schwarzen Elf war die Narrenwelt wieder in Ordnung, zwar erst zwei Tage später aber nicht weniger zünftig. Am Samstag startete sie, wie jedes Jahr, mit einem bunten Abend im Alfred-Delp-Haus in die neue Kampagne. Der Saal war gut besetzt und die Stimmung top.
In seiner Schaukel an der Stirnseite des Saales thronte der Michi, die Symbolfigur der Schwarzen Elf. Wie schon zuvor die Kluft der Narren, war auch er aus seinem Sack geholt worden, der ihm zu Sommerschlaf dient.
Zuvor hatten Präsident Wolfgang Dreßen und erster Vorsitzender Wolfgang Paul das närrische Publikum begrüßt und einen waren Ordenregen auf verdiente Aktive niedergehen lassen. Wolfgang Dreßen: "Damit vermeiden wir Längen in unserer großen Sitzung".
In die Bütt gingen an diesem Abend das Jungtalent Steffen Link, der sich im silbernen Smoking und mit Fliege über die ‚Verschandelung' seiner Jugend durch seine Eltern ausließ.
Dann sorgte Dieter Mark als Museumsführer bei seinem Rundgang durch Neu-Isenburg für närri-sche Licht- und Durchblicke.
Natürlich kreuzten auch das Prinzenpaar Annette I. und Jörg I. mit ihrem Hofmarschall Harald Streb sowie die Isenburger Symbolfiguren Watz (Karl-Heinz Müller) und Oberlump (Hermann Frank) im Delp-Haus auf und fühlten sich in der Runde des schunkelnden Publikums sichtlich wohl.

Den Abschluss des Jahres 1993 bildeten der Weihnachtsmarkt in Hl. Kreuz, der leider etwas verregnet war, und die Weihnachtsfeier der Schwarzen Elf im Alfred-Delp-Haus, bei der vor allem die kleinsten der Schwarzen Elf beim Nikolaus auf ihre Kosten kommen.
Im Januar gab es wieder ein Highlight für die Jugend. Jürgen Watzke hatte zur zweiten Jugendskifreizeit auf seinen Bauerhof in Egg (bei Sterzing) in Südtirol eingeladen.

‚O'zapft is' war das Motto der diesjährigen Sitzung und blau weiß präsentierte sich die Bühne dem Publikum. Man fühlte sich versetzt auf das Oktoberfest in ein bayerisches Bierzelt. Rechts ein riesiges Fass (aus dem sogar gezapft werden konnte) machte Lust auf eine zünftige Maß, links eine stilisierter Ochse am Grill (der leider nicht essbar war). Dazwischen der Elferrat im zünftigen Dress.

Zuvor hatte Präsident Wolfgang Dreßen das Publikum musikalisch eingestimmt und seine Lieder zum Besten gegeben, was mit viel Beifall belohnt wurde. Der Vorhang öffnete sich und der Elferrat in Dirndl und Lederhosen begrüßte seinen Präsidenten. Der forderte seine Truppe sogleich zu einem spontanen ‚Schuhplattler' heraus, der ob der freien Auslegung seine Wirkung nicht verfehlte.

Dann zogen sie ein, alle, die an diesem Abend zum Gelingen der Sitzung beitragen sollten. Vom klingenden Spiel der Hugos begleitet, füllten die Garden, das Prinzenpaar sowie Watz und Oberlump die Bühne. Diese hatten als Gastgeschenk ein Fass Bier mitgebracht. Die Ehre des ersten Bieranstiches wurde natürlich Pfarrer Norbert Bachus zuteil, der in professioneller Weise den Hahn ins Spundloch trieb (ob er das im Delp-Haus geübt hat?). Pfarrer Bachus, der vor zwei Jahren seine aktiven Auftritte bei der Narrensitzung beendet hatte, wurde an diesem Abend die Ehrenmitgliedschaft der Schwarzen Elf, die er prinzipiell immer innegehabt hat, offiziell verliehen.
Der klingende Auszug der Hugos leitete den ersten Programmpunkt ein, die Maxis tanzten eine Polka zu Ehren des Prinzenpaares, die von Jutta Müller einstudiert wurde.
Dann der zweite Programmpunkt, das Protokoll oder besser, der Dialog von Schwarzen Michel (Horst Duhme) und Michi (Stimme Renate Eichmanns). Ein kecker Bursche, dieser Michi, der seinen Herrn und Meister verbal öfters in die Enge trieb.

Dann der nächste Tanz, die Minis, die mit lila Regenmänteln und silbernen Schirmchen zögerlich die Bühne betraten und einen lieblichen Tanz zur Melodie "I'm singing in the rain" begannen. Fast professionell warfen sie dann Schirm und Mäntel fort und in herrlich roten Kostümen tanzten sie dann zur Melodie "Cabaret". Ein gelungener Auftritt, der viel Beifall fand und der eine Zugabe herausforderte. Einstudiert wurde der Tanz von Ina Paul.

Als "Wilde Hilde" suchte Wolfgang Dreßen einen Mann mit besonderen Qualitäten und versprach: ".. un finn ich aan, nemm ich en gleich mit haam". Leider fand sich trotz der verlockenden Angebote niemand für den Wolfgang. Der Saal tobte trotzdem.

Die Isenburger Sängerknaben starteten mit einer Überraschung in ihren ersten Teil, als sie zwei kleine Buben in original Sängerknabenkluft mit auf die Bühne brachten (Florian und Marcel Fröls) und die ob ihrer drolligen Art die Sängerknaben lange vom Singen abhielten. In ihren lokalkritischen Liedern erzählten sie von der ‚Poller-Allergie' der Isenburger, nahmen den Kämmerer auf die Schippe, die Parkplatznot, das alte Stadthaus und vieles mehr.

Als nächstes der kleine Steffen Link, der von seinem "Schönsten Silvester" erzählte, als das Haus fast abgerannt war, die Feuerwehr anrückte und die Polizei die Familie verhaftet hatte. Er stand zum zweiten Mal auf der großen Bühne und machte seine Sache hervorragend.

Eine Augenweide war der "Hexentanz" der Maxis. Die Bühne in tiefes rot getaucht, eine spannende Choreografie. Eine gelungene Vorstel-lung, die wiederum Jutta Müller einstudiert hatte und die selbstverständlich eine Zugabe wert war.

In die Bütt ging dann Wolfgang Paul als "Gestresster Vater". Er berichtete von der Geburt seines Sohnes und der anstrengenden Zeit da-nach. Eine Schilderung, die so ziemlich alle im Saal nachvollziehen konnten.

Nach einer Schunkelrunde eine weitere Tanzdarbietung. Ulrike Fröls hatte die Elfchen so richtig auf bajuwarisch getrimmt, ihr "Volkstanz" in Dirndl, Lederhose und Bergstiefeln war die Wucht in Tüten, was durchaus wörtlich genommen werden kann.

Zu der Melodie "Siehste wohl da kimmt er" kam Dieter Mark auf die Bühne und trug seine Erlebnisse als "Museumswächters" vor. Dabei glossierte er die kommunalen Geschehnisse, definierte tiefsinnig die verschiedenen Arten von Logik und brillierte mit einer schier unerschöpflichen Zitatensammlung, die er geschickt einsetzte. Bravo Dieter.

Die Tanzgarde entführte das begeisterte Publikum mit einem großartigen Schautanz ins Land der Pharaonen. Herrliche Kostüme, goldglänzend schimmerten sie im Scheinwerferlicht. Die Schritte präzise gesetzt, ein wirklicher Augenschmaus. Dies war wieder ein Werk von Ina Paul.

Dunkel die Bühne, Geheimnisvolles bahnte sich an. "Spieglein Spieglein an der Wand...." hörte man von Ferne. "Schneewittchen" war das Thema des Männerballetts.
Das Publikum tobte schon, als Werner Mickley als Schneewittchen zu einem tänzerischen Solo startete. Danach die sieben Zwerge, die durch den Saal auf die Bühne zogen. Nach dem ersten Musikwechsel merkten die Zuschauer, dass hier ein richtiges Märchen erzählt wurde. Die Hexe (Horst Duhme) kam, vergiftete Schneewittchen. Nächstes Bild, Schneewittchen aufgebahrt im Sarg. Die Zwerge in Trauer und Verzweiflung. Dann ein weiterer Höhepunkt, der Prinz (Jürgen Watzke) auf einem Schwan scheinbar hereinschwebend, küsst seine Prinzessin wieder wach. Schlussbild: alle tanzen zum Glück des Paares. Große Musik, großes Theater. Das Publikum war kaum nach auf den Stühlen zu halten. Es war einer der absoluten Höhepunkte im Programm des Männerballetts. Einstudiert wurde diese herrliche Darbietung von Martina Liedtko.

Zum Schluss noch die "Zwei Doofe" (Petra Klein und Werner Konrad), die aus ihrem Leben plauderten und mit Pointen nicht geizten.
Das große Finale läuteten die Isenburger Sängerknaben ein, die mit ihren schmissigen Liedern das Publikum zum Mitsingen und Mitschunkeln ermunterten.
Der farbenfrohe Luftschlangenvorhang und viele bunte Luftballons im Saal rundeten einen gelungen Fastnachtsabend ab, der Viele begeisterte und der Manchem unvergessen bleibt. "Diese Sitzung macht Lust auf Fastnacht" schrieb das Isenburger Anzeigenblatt danach. Darauf können wir stolz sein.

Der Lumpenmontag zeigte sich, zur Freude der Isenburger Narren, wieder einmal von seiner besten Seite. Die Sonne lachte den Narren ins Gesicht und lockte wieder Tausende auf die Straße. Die Schwarze Elf hatte wieder einmal ihre Bühne mitgebracht. Das Bierzelt war auf dem Komiteewagen untergebracht worden, der Ochs am Spieß drehte sich auf dem kleinen Motivwagen und der Buggy mit dem Wappen war auch wieder dabei.
Mit dem traditionellen Heringsessen klang eine erfolgreiche Kampagne für die Schwarze Elf aus.

 

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